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Viel quer, kaum tief, wenig drin

In einem einseitigen Spitzenspiel hat die TuS Metzingen gegen Bietigheim nach früher Amega-Verletzung keine Chance, verliert mit 21:30 (9:13).

Die Reaktionen nach dem Spiel sprachen für sich. Bietigheims Trainer Martin Albertsen blieb in der Halle sitzen, konnte den Auftritt seiner Mädels noch gar nicht richtig einordnen, sprach wenig später vom „besten Spiel in dieser Saison“. André Fuhr, Kommandogeber der TuS Metzingen, hatte einen „Klassenunterschied“ ausgemacht. Seine Spielführerin Julia Behnke, eine der ganz wenigen, die sich unmittelbar nach dem Abpfiff wieder heraus trauten in die MHP-Arena, sprach Klartext: „Peinlich trifft es ganz gut.“ Die TuS Metzingen hat ein Spitzenspiel mit 21:30 verloren, an dem sie über weite Strecken gar nicht teilnahm.

Schock durch Amega-Verletzung

Die Partie begann mit einem Schock für die TuS Metzingen. Es lief erst die zweite Minute. Delaila Amega war nach einem Pass von Marlene Zapf per Gegenstoß unterwegs, den Bietigheims Keeperin Dinah Eckerle parierte – was aber schnell niemand mehr interessierte. Die Metzinger Spielmacherin, für die es nach einem Fingerbruch erst der zweite Einsatz war, blieb verletzt liegen. Das linke Knie drehte nach der Landung weg – ohne gegnerische Einwirkung. Eine MRT-Untersuchung am Montag wird Aufschluss über die Verletzung geben. Erste Eindrücke ließen vermuten, dass es sich nicht um einen Kreuzbandriss handelt. Mit einem langen Ausfall ist trotzdem zu rechnen.

Es fehlte also das Herz in der Kreativabteilung. Man hätte sie gut gebrauchen können gegen die tief stehende 6:0-Abwehr der Bietigheimerinnen. Die ließ wenig zu, kaum etwas ging auf die Flügel, vom Kreis ganz zu schweigen. Druck aus dem Rückraum, energisches Spiel in die Tiefe – kam nicht. Stattdessen bekamen die Schiedsrichter lahme Arme, weil sie laufend die TusSies zur Eile mahnen mussten. Aus der Zeitspielnot flog wenig Erbauendes auf den SG-Kasten.

Ausfall im Kollektiv

„Das war deprimierend. Wir spielten Alibi-Handball, nur quer“, ärgerte sich Fuhr mächtig. „Das war ein Ausfall im Kollektiv, ein Gewürge, jede hat die Verantwortung sofort wieder aus der Hand gegeben“, sagte Julia Behnke, die nach zwei Zwei-Minuten-Strafen nach einer Viertelstunde in der Abwehr nicht mehr zulangen durfte.

Die klappte bei der TuS gar nicht so schlecht, arbeitete offensiver, Isabell Roch hielt noch einiges. Aber nicht genug, um das Spiel offen zu halten. Ab dem 6:5 (13.) setzte sich Bietigheim ab, nahm ein 13:9 mit in die Kabine.

„Nach den schnellen Toren von Anika Niederwieser und Maren Weigel hatten wir kurzzeitig Probleme“, blickte Bietigheims Anna Loerper auf eine Phase zurück, in der es bei den TusSies gut lief. Sie machten genau das, was in der gesamten ersten Hälfte gefehlt hatte. Sie feuerten und trafen aus dem Rückraum, Weigel gar drei Mal in Serie bis zum 16:14 (38.), Dinah Eckerle machte einen leicht genervten Eindruck. Noch einmal Loerper: „Danach machten aber wieder wir die einfachen Tore.“ Viele sogar. Ab dem 17:15 (41.) drängte das von Julia Behnke angesprochene „Gewürge“ mit aller Macht ins Spiel der Pink Ladies. Die TuS traf gar nichts mehr, verlor unglaublich viele Bälle. Katharina Beddies traf zum 23:16 (50.) nach neunminütiger Flaute. Da ging es längst nur noch um die Höhe des Bietigheimer Sieges. An dem gab es auch mittels einer 4:2-Deckung nichts mehr zu rütteln. Ein Highlight war das 29:20 von Karolina Kudlacz-Gloc (57.) per fein aufgelegtem Kempa. Am Schluss stand das 30:21. Noch einmal Ursachenforschung, dieses Mal von Anika Niederwieser. „Wir haben viel zu statisch gespielt, dazu zu viele einfache Tore kassiert.“ Und dann verliert man eben beim noch verlustpunktfreien Tabellenführer auch sehr deutlich. Die TuS ist mit dieser Niederlage raus aus dem Titelrennen.

Schleunigst macht man sich nun an die Aufarbeitung. „Alle müssen sich hinterfragen, ich auch. Schließlich habe ich es nicht geschafft, die Mannschaft optimal auf dieses Spiel einzustellen“, sagte André Fuhr. Es wird eine intensive Woche bei der TuS, in der sich auch einige Personalien klären werden.

SG BBM Bietigheim: Eckerle, Salamakha – Visser (4/1), Rozemalen, Lauenroth, Hoekstra, Ivancok, Loerper (7/2), von der Heijden (3), Schulze (4), Kudlacz-Gloc (6), Woller (4), Malestein (2), Braun  
TuS Metzingen: Kohorst, Roch – Zapf, Amega, Kobylinska (2/1), Kovacs (4), Welser, Minevskaja (2), Niederwieser (3), Harsfalvi (1), Weigel (3), Vollebregt (1), Beddies (1), Behnke (2), Korsos (2)
Siebenmeter: 4/3 (Loerper scheitert) – 2/1 (Minevskaja scheitert)
Zeitstrafen: Visser (2), Kudlacz-Gloc – Behnke (2)
Schiedsrichter: Sebastian Grobe, Adrian Kinzel (Braunschweig, Bochum)
Zuschauer: 2412

 

 

Wolfgang Seitz

Sportredakteur der Swp