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Und wieder geht zu viel vorbei

Das Derby in der Bundesliga verliert die TuS Metzingen in Göppingen mit 23:24, hat immense Probleme mit der Chancenverwertung.

Es war ein packendes Derby, das Frisch Auf Göppingen und die TuS Metzingen ablieferten – und es hatte aus Metzinger Sicht den falschen Sieger. Wobei man auf der Suche nach der Ursache schnell bei den TusSies selbst landet. Sie hatten genügend Möglichkeiten, das Ergebnis anders zu gestalten, vermochten aber nicht, sie zu nutzen. Fünf vergebene Chancen im ersten Abschnitt, neun im zweiten. Technische Fehler im Spielaufbau taten ihr übriges.

Zu Beginn ließ sich die TuS in der EWS-Arena nicht aufhalten, kam mit der 5:1-Abwehr der Göppingerinnen gut klar. Bis zum 1:3 (6.) hatte Marija Obradovic bereits zwei Mal getroffen. Nach Delaila Amegas 3:5 (12.) kam ein gewaltiger Bruch. Sechs Minuten lang stockte die pinke Tormaschine, in der Deckung, die recht offensiv ans Werk ging, konnten Kreisanspiele nicht unterbunden werden. Maxime Struijs verteilte die Bälle auch gekonnt auf den Flügel. So kamen Iris Guberinic und Petra Adamkova zu jeweils doppelten Erfolgserlebnissen, was zum 8:5-Zwischenstand nach 19 Minuten führte.

Die Antwort konnte sich durchaus sehen lassen. Binnen drei Zeigerumdrehungen führten Delaila Amega, Ina Großmann und Marlene Zapf ihr Team wieder auf 8:8 heran. Das zeigte zweierlei: Die TusSies konnten phasenweise gefallen, und auch die Gastgeberinnen machten bei weitem nicht alles richtig. In diesem Sinne ging es zum 11:12-Halbzeitstand. Trotz bei weitem nicht optimaler Leistung war noch alles drin.

„Vor dem Spiel habe ich gesagt, dass jene Mannschaft gewinnt, die die größere Aggressivität zeigt. Das war leider Göppingen“, sagte Manager Ferenc Rott, dem es gewaltig gegen den Strich geht, dass die individuelle Leistung immer nur bei zwei Spielerinnen stimmt – das Duo tritt in wechselnder Besetzung auf. „Aus dem Rückraum kam fast nichts. Der war praktisch ein Totalausfall“, wurde Trainerin Edina Rott deutlich. Alles war bekannt über die offensive FA-Deckung, nur wurde das Besprochene nicht umgesetzt.

Göppingens Torhüterin Kristy Zimmerman wurde zum Problem, hielt unter anderem drei Siebenmeter (Minevskaja (2) und Zapf). Die wären noch zu verschmerzen gewesen, wenn andere Sachen den Weg ins Netz gefunden hätten. „Das ist Konzentrationssache“, analysierte Ferenc Rott knallhart, der zudem den Siegeswillen vermisste.

Die TuS tat sich zunehmend schwer, lag nach 44 Minuten mit 15:18 im Hintertreffen. Die Differenz hatte Bestand bis zum 21:18 (52.). Doch die TusSies kämpften verbissen, konnten das 23:21 (57.) ausgleichen (Zapf und Beddies). Man kam sogar erneut in Ballbesitz, ließ sich dann aber ins Zeitspiel abdrängen, ein Obradovic-Versuch ging weit drüber. Dass am Ende Michaela Hrbkova per Durchbruch noch den entscheidenden Siebenmeter herausholte, erboste den Manager. „Sie darf nie und nimmer so weit kommen“, sagte Rott. Kam sie aber und machte den Strafwurf sogar noch rein. „Wir werden das Spiel genau analysieren, alles deutlich ansprechen und weiterhin hart arbeiten“, verrät Edina Rott den Wochenplan.

Die Spielerinnen selbst wissen genau, wo es geklemmt hat. So zum Beispiel Torhüterin Isabell Roch: „Es ist enttäuschend, dass wir zu wenig Druck im Rückraum entwickelt haben und die Chancen im Angriff nicht umsetzten konnten. Leider haben wir nicht die Aggressivität der letzte Woche in der Abwehr gezeigt und konnten daher keine einfachen und schnellen Tore erzielen. Ich bin sehr enttäuscht.“ Julia Behnke erging es nicht anders: „Mir fehlen einfach die Worte. Wir schaffen es nicht, als Team aufzutreten und bringen in Summe zu schwache Einzelleistungen.“ Man muss den Damen also nicht groß erklären, wo der Hebel anzusetzen ist.

Frisch Auf Göppingen gegen TuS Metzingen 24:23

Frisch Auf Göppingen: Zimmerman, Lengyel – Brugger, Strujs (4/1), Weigelt (1), Schindler, Kinlend (3), Hrbkova (9/3), Guberinic (3/1), Sviridenko, Adamkova (3), Krhlikar (/1), Bergschneider
TuS Metzingen: Jankovic, Roch – Zapf (8/3), Amega (2), Welser, Minevskaja (2/1), Karlsson, Ingenpaß, Großmann (3), Weigel (1), Obradovic (2), Beddies (2), Behnke (3)
Siebenmeter: 7/5 (Guberinic und Struijs scheitern) – 7/4 (Minevskaja (2) und Zapf scheitern)
Zeitstrafen: Brugger, Schindler, Kinlend, Guberinic – Obradovic
Schiedsrichter: Julian Köppl, Denis Regner
Zuschauer: 1326

Wolfgang Seitz
Sportredakteur der SWP