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Pinke Schwankungen

Die TuS Metzingen setzt sich vor ausverkauftem Haus im Derby gegen Frisch Auf Göppingen mit 32:25 (16:11) durch.

Es ist dieser Tage für gegnerische Mannschaften kein Vergnügen, die TusSies in der „Öschhölle“ zu besuchen. Frisch Auf Göppingen hatte am Samstag beim 32:25-Triumph der Pink Ladies nie eine echte Chance, Borussia Dortmund und den Buxtehuder SV hat es zuvor mit 15er-Packungen noch weitaus schlimmer erwischt. Das macht 6:0 Punkte bei einer Tordifferenz von plus 37. Und warum sagt dann Spielführerin Julia Behnke Sätze wie diesen: „Man muss nicht alles schlechtreden.“ Sie hatte da schon den Abspann in der Kabine mitbekommen und dann auch noch gelauscht, als ihr Trainer von der Presse knallhart befragt wurde. „Ich weigere mich, richtig glücklich und zufrieden zu sein.“ Man kann André Fuhr verstehen, „Jule“ auch. Es war sicher nicht alles schlecht, das hat der Coach aber auch nicht behauptet.

Mit dem Ergebnis war er zufrieden, mit der Leistung nicht. In der ersten Halbzeit hat ihm in der Abwehr die letzte Konsequenz gefehlt. Überhaupt unterlag das Metzinger Spiel gewissen Schwankungen, die nicht nur den Trainer ärgerten.

Zu Beginn musste man Mitleid mit dem Gast haben. Bis zum 6:1 (6.) ließ sich die TuS Metzingen von der Göppinger 3:2:1-Abwehr in keinster Weise beeindrucken. Monika Kobylinska war in den ersten Minuten sehr umtriebig und zudem treffsicher. Was dann passierte, konnte man nicht so recht nachvollziehen. Gar nichts mehr ging bei den Pink Ladies, Frisch Auf robbte sich heran bis zum 6:5 (11.). Die TuS traf nicht mehr, machte einen haarsträubenden Fehler nach dem anderen.

Es wurde besser. Marlene Zapf knallte Gegenstöße in die Maschen, Patricia Kovacs fand die Lücken in der offensiven Deckung. Nach dem 12:7 (22.) zeigten sich die TusSies erneut in Spendierlaune. Ab der 25. Minute ging es wieder voran. Patricia Kovacs hatte nach wie vor den Bogen raus, Madita Kohorst im Tor auch, die den Damen vom Hohenstaufen einiges wegnahm. Das 16:11 zur Pause hatte Appetit auf mehr gemacht. Bei Göppingen funktionierte die offensive Deckung besser, Ausnahmekönnerin Michaela Hrbkova hatte sich warmgeschossen. War da noch etwas drin für die Gäste. Klare Antwort: Nein.

Halbzeit zwei gestalteten die Gastgeberinnen weitaus schwankungsärmer. Madita Kohorst hielt zum Auftakt einen Hrbkova-Siebenmeter, Marlene Zapf und Anika Niederwieser schoben zwei schnelle Tore nach – und es lief. Klar, dass sich André Fuhr über das gepflegte Kreisspiel der grün-weißen Gäste ärgerte, seine Mädels packten aber auch ganz nette Sachen aus. Als Maren Weigel zum 25:17 (45.) getroffen hatte, war nur noch die Höhe des Sieges ein Thema. Gut, nach Julia Behnkes 29:20 (51.) wurde wieder etwas geschlampert. Ein 32:25-Derbysieg ist aber doch auch nicht schlecht. „Vergangenes Jahr haben wir beide Spiele gegen Göppingen verloren, jetzt bei zwei Siegen und plus 17 Toren es deutlich besser gemacht“, rechnete André Fuhr flugs vor. „Man muss es auch einmal positiv sehen. Was wir nach dem richtigen schlechten Auftritt in Bietigheim gemacht haben, war jetzt doch richtig gut“, sagte Patricia Kovacs, während ihr Trainer bemüht war, das Spiel noch einzuordnen. „Eben hat Ferenc in der Kabine darüber philosophiert, dass man pro Saison fünf bis sechs Arbeitssiege habe. Das wusste ich bis jetzt noch nicht.“ Fällt jetzt das 32:25 in das von Manager Rott abgesteckte Segment? Das muss Jede(r) selbst für sich entscheiden. Vielleicht wird auch Torhüterin Madita Kohorst irgendwann akzeptieren, dass sie gut gehalten hat. „Ich bin nie zufrieden, muss mich bei meiner Abwehr entschuldigen, dass ich manchen Ball verschlafen habe.“ Zur Spielerin des Tages wurde sie trotzdem gewählt. Da kennt die Fachjury kein Pardon.

TuS Metzingen: Kohorst, Roch – Zapf (5), Kobylinska (4), Kovacs (6), Welser, Minevskaja (9/5), Niederwieser (1), Harsfalvi, Weigel (1), Vollebregt, Beddies (2), Behnke (4)
Frisch Auf Göppingen: Zec, Lengyel – Brugger, Schindler (4), Kinlend (4), Hrbkova (7), Guberinic (1), Adamkova (3), Krhlikar (2), Bergschneider, Petrinja (4/3)
Siebenmeter: 6/5 (Minevskaja scheitert) – 6/3 (Hrbkova 2 und Guberinic scheitern)
Zeitstrafen: Minevskaja, Niederwieser, Beddies – Schindler, Krhlikar (2)
Schiedsrichter: Marcus Hurst, Mirko Krag
Zuschauer: 1050

Wolfgang Seitz
Sportredakteur der SWP