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Nach Galavorstellung ist auch der Trainer zufrieden

Furioser Auftritt der TuS Metzingen beim 47:17-Sieg gegen HZRK Grude. Runde zwei im EHF-Cup ist damit klar erreicht.

Es war eine zweitägige Show in Pink. Wobei man sich die Höhepunkte für den zweiten Tag aufgehoben hat. Die TuS Metzingen hat in der ersten Runde des EHF-Cups mit HZRK Grude aus Bosnien-Herzegowina kurzen Prozess gemacht. Beide Male wurde in der Öschhalle gespielt, beide Male gewonnen, zusammengerechnet mit 90:41. Machen solche Spiele überhaupt Sinn?

Ja, lautet da die Antwort. Sie eignen sich hervorragend, um neue Sachen einzustudieren, Abläufe zu automatisieren, waren in diesem Fall eine verlängerte Vorbereitung. Sie taugen aber nicht als Standortbestimmung. Eine solche haben die TusSies am Mittwoch vor sich, wenn die SG BBM Bietigheim zum 20 Uhr zum Derby in der Öschhalle aufkreuzt. Da interessieren die 90 Tore gegen Grude gar nicht mehr.

Ohne Kelly Vollebregt und Miriam Welser gingen die TusSies am Samstag ans Werk, die für das Spiel der Zweiten am Sonntag geschont wurden. Obwohl nach dem 43:24-Kantersieg vom Freitag schon alles klar war, legten die TusSies beim „Rückspiel“ am Samstag noch ein paar Schippen drauf. Die Mädels vom HZRK Grude, dem Serienmeister in Bosnien-Herzegowina, mussten einem Leid tun. Sie strahlten aber schon wieder, als sie von den 714 Zuschauern nach dem 47:17-Sieg der TuS mit viel Applaus verabschiedet wurden.

Trainer André Fuhr, der am Freitag nur mit den ersten 20 Minuten einverstanden gewesen war, hatte an seine Mannschaft appelliert – recht deutlich, wie aus Mannschaftskreisen verlautete. „Wir haben uns vorgenommen, weniger technische Fehler zu machen, weniger als zehn. Dann musste die Chancenverwertung besser werden und die Gegentore wollten wir unter 15 halten“, verriet der Coach. Das mit den Gegentoren hat nicht geklappt, was Fuhr aber großzügig auf seine Kappe nahm. „Am Schluss haben wir eine siebte Feldspielerin gebracht, das ist noch nicht in unserem Repertoire.“ Sehr wohl findet man dort die 5:1-Deckung – und die hat richtig gut gearbeitet. Katharina Beddies, die dort auf vorgezogenem Posten agierte, war zunächst etwas überrascht, als sie als Indianerin auf Pirsch geschickt wurde. „Ich spiele das aber gerne. Man setzt den Gegner unter Druck, der dadurch zu Fehlern gezwungen wird.“ Spielmacherin Patricia Kovacs zollte der flinken Kollegin Respekt: „Das geht ganz schön in die Beine. Offensive Deckungen sind sehr unangenehm.“

Geklappt hat am Samstag praktisch alles. Die Gegenstöße liefen wie geschmiert, die Chancenverwertung passte. Es dauerte bis zur zwölften Minute, ehe Julia Behnke den ersten Fehlschuss für ihr Team zu beklagen hatte – da stand es bereits 12:3. Die Spielführerin wurde am Kreis immer wieder in Szene gesetzt, Shenia Minevskaja tat sich da hervor. Rechts bewies Marlene Zapf einmal mehr Treffsicherheit, Patricia Kovacs, die sich bei ihrem neuen Verein pudelwohl fühlt, legte ein Solo nach dem anderen auf die Platte. Nach 30 Minuten stand es 26:7. Üben konnte man auch das Überzahlspiel, wobei hier der kritische Beobachter durchaus noch Optimierungsbedarf sah.

Ungebremst ging es nach Wiederanpfiff weiter. Gegenstöße waren weiterhin die schärfste Waffe der TusSies, für die nach 50 Minuten ein 40:10 notiert wurde. „Wir haben 60 Minuten seriös gespielt, sind hohes Tempo gegangen“, lobte André Fuhr nach dem finalen 47:17. Seine Abwehr hat ihm gefallen, was aber wiederum nicht heißt, dass er sie in dieser Ausrichtung auch am Mittwoch gegen Bietigheim ins Rennen schickt. „Ich lasse mir doch nicht in die Karten schauen“, beantwortete er eine diesbezügliche Frage leicht empört. Dass man mit taktischen Varianten Bietigheim diverse Aufgaben stellen will, ließ der Coach dann aber doch noch raus. Dabei wird man sicher auf das eine oder andere zurückgreifen, was man am Samstag geübt hat. Die Gegenwehr wird aber eine andere sein.

TuS Metzingen gegen HZRK Grude 47:17

TuS Metzingen: van de Polder, Roch – Zapf (12/2), Amega (2), Kobylinska (4), Kovacs (6/1), Weigel (1), Minevskaja (5), Obradovic (1), Haggerty (2), Beddies (3), Behnke (11)
HZRK Grude: Vuklis (1), Petrovic, Brnada.  – Maric (2/1), Cutura (6), Soldo, Nikic, Andrea Boras, Milos, Mikulic (2), Kasumacic (2), Demic (1), Azinovic (1), Andjela. Boras, Pelivan (2)
Siebenmeter: 4/3 (Minevskaja vergibt) – 1/1
Zeitstrafen: Haggerty (2), Kovacs – Cutura, Mikulic, Kasumacic, Demic, Azinovic, Pelivan
Schiedsrichter: Sherif Xhema, Besfort Jahja (Kosovo)
Zuschauer: 714

Wolfgang Seitz
Sportredakteur der SWP