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Pinke Punkte unterm Baum

Frauenhandball, Bundesliga Die TuS Metzingen schlägt den TSV Bayer 04 Leverkusen nach starker zweiter Hälfte mit 28:21 (10:9).

Gut angefangen, stark nachgelassen – und dann alles richtig gemacht. Die TuS Metzingen unterhielt am Tag vor Heiligabend 1050 Zuschauer in der ausverkauften Öschhalle gegen den TSV Bayer 04 Leverkusen prächtig. Die beiden besten Defensivreihen der Bundesliga standen sich gegenüber. Jene der TuS Metzingen, angeführt von einer starken Julia Behnke und Isabell Roch als prächtig aufgelegter letzter Instanz, war klar besser. Weil im zweiten Abschnitt dann auch nach vorne alles passte, konnte eine strahlende Julia Behnke das Spiel wie folgt skizzieren: „Wir hatten einfache Ballgewinne, machten einfache Tore und konnten in der zweiten Halbzeit stressfrei aufspielen.“ Beleg dafür ist der 28:21-Endstand, der in dieser Deutlichkeit lange nicht zu erwarten war.

Es ging gut los in der ersten Halbzeit. Die TuS Metzingen hatte alles im Griff. Leverkusen musste viel Aufwand betreiben, um den TuS-Riegel zu knacken, Metzingen machte im Angriff viel richtig, Monika Kobylinska zeichnete in der achten Minute für das 4:1 verantwortlich, sie traf auch zum 8:4 (17.) und 9:5 (23.). Ihre TuS-Freundinnen waren in der Folge weit weniger treffsicher, beziehungsweise Nationaltorhüterin Katja Kramarczyk zeigte ihr Können.

Sie holte sich unter anderem zwei Freie von Marlene Zapf und war wichtigste Komponente in der Bayer-Aufholjagd. Hinzu kamen Turbulenzen im TuS-Spielaufbau, Bälle schwirrten unkontrolliert durch die Halle. Bayer-Rechtsaußen Amelie Berger traf kurz vor dem Pausenpfiff zum 10:9. Angesichts der TuS-Dominanz in den ersten 20 Minuten eigentlich ein Unding. Problem war zu diesem Zeitpunkt ganz klar die Chancenverwetung. An Torhüterin Isabell Roch lag es gar nicht. Sie kam im ersten Abschnitt auf sechs Paraden, ihre Gegenüber hatte sieben.

Abschnitt zwei begann mit dem 10:10-Ausgleich durch Kim Berndt. „Aufstecken bringt nichts. Ich habe zum Glück die Kurve noch gekriegt“, blickte Marlene Zapf auf ihre temporäre Ladehemmung zurück. Mit dem 11:10 meldete sie sich unverzüglich zurück, richtig ab ging es aber erst nach ihrem 16:14 (41.). Nach Kobylinskas 23:15 (49.) konnte man schon den Haken an das Spiel kurz vor dem Fest machen. Zu notieren gab es zwischen der 40. und 49. Minute einen Metzinger 8:1-Lauf, der natürlich für prächtige Stimmung bei den Zuschauern sorgte. Leverkusen durfte nicht mehr viel beitragen, auch die gute Katja Kramarczyk war zwischen den Pfosten ruhiggestellt. Shenia Minevskaja setzte mit ihrem sechsten verwandelten Siebenmeter den Schlusspunkt.

„Es ist schwer, in den Modus zurückzukommen. Zudem habe ich die sportliche Enttäuschung des frühen WM-Aus noch nicht überwunden. So etwas kann man nicht so schnell abschütteln. Über den Start nach der langen Pause bin ich deshalb glücklich. Bayer kam ran, als wir Chancen liegen ließen, die zweite Halbzeit war dann wesentlich besser. Wir haben sie in die Zweikämpfe gezwungen und konnten das Tempo gehen, das unser Spiel auszeichnet“, sagte Spielführerin Anna Loerper.

„Die zwei Punkte mussten wir uns hart erkämpfen. Leverkusen war der erwartet starke Gegner, wir haben die Aufgabe in der zweiten Halbzeit aber sehr gut gelöst. Isa hat gut gehalten und unsere Abwehr war sehr aggressiv“, sagte Trainer René Hamann-Boeriths, der seinen Mädels nur eine kurze Verschnaufpause gönnt. Am ersten Weihnachtsfeiertag wird bereits wieder trainiert, am 27. Dezember in Nellingen gespielt. Erst dann rückt das Spiel am 30. Dezember in der Porsche-Arena in den Fokus, wenn es die TuS Metzingen kurz vor dem Jahreswechsel im Derby mit Frisch Auf Göppingen zu tun bekommt.

TuS Metzingen gegen TSV Bayer 04 Leverkusen 28:21

TuS Metzingen: Jankovic, Roch – Zapf (5), Amega, Kobylinska (7), Loerper (1), Minevskaja (6/6), Karlsson, Ingenpaß, Großmann, Weigel (2), Obradovic (2), Beddies (2), Behnke (3)
Bayer Leverkusen: Kramarczyk, Fehr – Jurgutyte (1), Seidel (2), Braun, Zschocke (1), Potocki (7/4), Bruggeman, Karolius (1), Gedroit, Meijer, Berndt (4), Jochin (1), Berger (2), van de Wiel (2), Rode
Siebenmeter: 7/6 (Loerper scheitert) – 5/4 Potocki scheitert)
Zeitstrafen: Minevskaja, Behnke – Gedroit, Jochin
Schiedsrichter: Thomas Hörath, Timo Hofmann (Zirndorf, Stegaurach)
Zuschauer: 1050

Wolfgang Seitz
Sportredakteur der SWP