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Die pinke Erklärungsnot

Man kann es nicht erklären – aber noch weniger wegdiskutieren. Die TuS Metzingen hat zum dritten Mal in Folge eine klare Pausenführung schnell aus der Hand gegeben. Dass der Gegner am Samstag Tabellenführer Thüringer HC war, ist zweitrangig, oder eher noch schlimmer. Denn auch gegen dieses scheinbar übermächtige Team wäre mehr drin gewesen. Die nackten Zahlen sagen jedoch aus, dass die TuS Metzingen aus den vergangenen drei Spielen 1:5 Punkte geholt und sich damit aus der Spitzengruppe verabschiedet hat.

„Ihr könnt das nehmen, was ich nach dem Blomberg-Spiel gesagt habe“, war TuS-Kreisläuferin Julia Behnke nach dem Spiel ziemlich gefrustet, um dann aber Klartext zu reden: „Wir scheitern wieder an uns selbst. Eine schöne Halbzeit reicht eben nicht. Ein Spiel geht 60 Minuten.“ Es war eine schöne erste Halbzeit, vielleicht die schönste im bisherigen Saisonverlauf. Da lieferten sich die TusSies mit dem designierten deutschen Meister ein Duell auf Augenhöhe – zumindest eine Viertelstunde lang. Dann hatten die Gastgeberinnen den Blick vollends geschärft, zogen am THC sauber vorbei. Vom 6:8 (13.) ging es binnen fünf Minuten hoch zum 10:8. Drei Treffer hatte die starke Shenia Minevskaja beigesteuert, ein rotzfrecher Heber kam von Katharina Beddies. TuS-Keeperin Isabell Roch parierte in dieser Phase in Serie, stand hinter einer TuS-Abwehr, die in 5:1- Aufstellung operierte und sich nach anfänglichen Problemen mit der siebten Feldspielerin beim Gast arrangiert hatte.

Aus dem zwischenzeitlichen 12:11 (23.) wurde das 15:11 (28.). Delaila Amega, Katharina Beddies und Shenia Minevskaja hatten getroffen, Treffer Nummer 15 war ein „Empty-Net-Goal“. Die Halle raste, die TusSies wurden mit tosendem Applaus in die Kabine geleitet, auch weil das 17:13 ein Augenschmaus war. Perfekte Vorarbeit von Delaila Amega und Monika Kobylinska, vergoldet von Julia Behnke am Kreis. Alles gut, wunderschön – doch dann kam die zweite Halbzeit.

„Zu Beginn der zweiten Halbzeit waren wir wieder mental unsicher. Es ist sehr enttäuschend, dass wir nicht so weitermachen konnten“, sagte TuS-Trainer Rene Hamann-Boeriths. Fünf Minuten waren gespielt, es stand 17:17. Bei Thüringen war Beate Scheffknecht im Rückraum gar nicht zu verteidigen, Iveta Luzumova, die wohl beste Spielerin der gesamten Liga, führte Regie, setzte den Kreis ein, wo Meike Schmelzer und Josefine Huber alles gut verwerteten. Dinah Eckerle im Tor wurde besser – oder besser gemacht. Weil sie nämlich von der TuS aufgebaut wurde. Die versuchte es auch mit einer siebten Feldspielerin, wobei die Wechsel noch hakten. Ein viel größeres Problem war die Chancenverwertung, unerklärliche technische Fehler kamen hinzu. Die führten dazu, dass man nach 24:25 (50.) den Kontakt verlor. Der schnelle THC-Ausgleich konnte zuvor noch pariert werden, die Pink Ladies lagen nach einem Behnke-Treffer noch mit 21:20 (43.) vorne – danach nie wieder.

Nach Marlene Zapfs 26:28 (55.) per Siebenmeter wäre noch etwas zu machen gewesen, wenn man nicht Bälle einfach weggeschmissen hätte. Beate Scheffknecht bedankte sich – am Schluss der gesamte THC, der sich mit 31:27 die Partie samt den Punkten holte. Coach Herbert Müller wollte sich noch nicht zur Meisterschaft gratulieren lassen, lobte indes die TuS, die eine sehr starke Mannschaft habe, nun aber aufpassen müsse, nicht aus dem internationalen Geschäft zu rutschen. Das ist tatsächlich das drohende Problem der nächsten Wochen. „Wir müssen uns ändern, an uns arbeiten“, sagte Shenia Minevskaja. Ihr Vorschlag: Nach der Pause einfach wieder bei Null anfangen, also zwei erste Halbzeiten spielen. In der Tat eine gute Idee.

TuS Metzingen gegen Thüringer HC 27:31

TuS Metzingen: Jankovic, Roch – Zapf (7/4), Amega (2), Kobylinska (1), Minevskaja (7/3), Karlsson, Ingenpaß, Großmann, Weigel (1), Obradovic (1), Beddies (4), Behnke (4), Welser
Thüringer HC: Krause, Eckerle (1) – Scheffknecht (12), Lang, Schmelzer (5), Niederwieser, Luzumova (6/2), Mitrovic (1), Jakubisova (2), Wohlbold, Huber (3), Batista da Silva (1)
Siebenmeter: 8/7 (Minevskaja scheitert) – 3/2 (Luzumova scheitert)
Zeitstrafen: Minevskaja, Beddies, Behnke – Lang, Schmelzer, Huber
Schiedsrichter: Marcus Hurst, Mirko Krag
Zuschauer: 1050