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Thüringen ist keine Reise wert

Frauenhandball, Bundesliga Die TuS Metzingen muss im Spitzenspiel beim Thüringer HC eine 30:33 (14:16)-Niederlage hinnehmen.

Die TuS Metzingen kann beim Thüringer HC einfach nicht gewinnen. Das hatte am Mittwochabend einen ganz einfachen Grund: der Gastgeber war besser. An dessen 33:30-Sieg gab es nichts zu rütteln. Der Thüringer HC hat einen Sahnetag erwischt, bei der TuS Metzingen klappten ein paar Sachen nicht so gut – und das reicht dann schon, um in einem leidenschaftlich geführten Spitzenspiel mit 30:33 zu unterliegen.

Nicht abgezockt genug

„Wir haben leider verdient verloren. Ich dachte eigentlich, wir seien weiter, bin deshalb schon ein bisschen enttäuscht. In der Abwehr waren wir nicht abgezockt und aggressiv genug, zudem stimmten die individuellen Leistungen nicht. Und deshalb kann man dann so ein Spitzenspiel nicht gewinnen. Wir waren dran, müssen aber noch viel lernen. Aber die Saison ist noch lang“, sagte TuS-Manager Ferenc Rott.

Es hatte durchaus seine Richtigkeit, dass der Thüringer HC im Duell zweier bis dato verlustpunktfreier Mannschaften zur Halbzeit eine 16:14-Führung mit in die Kabine nahm. Die TuS Metzingen tat sich im ersten Abschnitt recht schwer. Zum einen mit der Deckung des THC, die im defensiven 6:0-Verbund schwer zu knacken war, man suchte dabei zu selten den Weg über die Außen, wie zum Beispiel beim 4:3 (8.) durch Katharina Beddies, die eine Ballstafette veredelte. Ansonsten blieb zu viel hängen im TuS-Spiel, was der Gastgeber zu einer 10:6-Führung in der 16. Minute nutzte. Lydia Jakubisova hatte mit zwei ganz krummen Dingern von Rechtsaußen die Treffer Nummer neun und zehn für den THC markiert. Beide waren nicht unhaltbar für Jasmina Jankovic.

Mit Isabell Roch im Tor ging es weiter, die alsbald einen Siebenmeter von Iveta Luzumova hielt, den Nachschuss aber passieren lassen musste, überhaupt waren die Abpraller an diesem Abend nicht das Ding der TusSies, die sich hinten raus aber noch einmal richtig zusammenrissen, aus dem 16:11 den 16:14-Pausenstand machten. Ganz stark in dieser Phase Delaila Amega, die bei Bedarf auch aus der Hüfte schoss oder unwiderstehlich in die Lücken stieß.

Ein anderes Problem tauchte nach dem Wechsel aus. Es trug ein rotes Trikot mit der Nummer vier. Thüringens Beate Scheffknecht spielte wohl die beste Halbzeit ihres Handball-Lebens, feuerte aus dem Rückraum aber nicht nur Unhaltbares ab. Die TuS Metzingen war trotzdem lange dran, beispielsweise noch bei Marlene Zapfs 22:20 in der 42. Minute.

Imponierende Aufholjagd

Sehr imponierend, wie man sich nach Iveta Luzumovas 26:20 (47.) noch einmal zurückmeldete. Shenia Minevskaja traf zum Beispiel von beiden Halbpositionen, Ina Großmann wie gewohnt von links. Nach dem 27:25 (52.) ging dann aber einfach nichts mehr. THC-Keeperin Dinah Eckerle stand immer wieder parat, Beate Scheffknecht startete eine neue Serie, zudem kam der THC meist über den Kreis durch – und am Ende nach zwischenzeitlicher 32:26-Führung zum 33:30-Sieg.

TuS-Keeperin Jasmina Jankovic zum Spiel: „Wir waren leider nicht aggressiv und auch teilweise spritzig genug, um gewinnen zu können. Es war ein schnelles Spiel, in welchem Thüringen phasenweise einfache und schnelle Tore gemacht hat. Vor allem über Beate Scheffknecht war der THC in der zweiten Halbzeit stark. Wir haben bis zum Ende gekämpft, auswärts nur mit drei Toren zu verlieren, bietet aber definitiv eine Perspektive für das Heimspiel.“ Jetzt gilt es den Mund abzuwischen und weiterzumachen: Am Samstag im Rückspiel des EHF-Cups bei der HSG Blomberg-Lippe.

Thüringer HC gegen TuS Metzingen 33:30

Thüringer HC: Krause, Eckerle – Scheffknecht (9), Lang (3), Mazzucco, Schmelzer (2), Niederwieser, Luzumova (10/6), Jakubisova (3), Wohlbold (3), Redder, Huber (3), Batista da Silva
TuS Metzingen: Jankovic, Roch – Zapf (5), Amega (3), Kobylinska (3). Loerper (5/5), Minevskaja (5/1), Ingenpaß, Großmann (2), Weigel, Obradovic (1), Beddies (4), Behnke (2)
Siebenmeter: 7/6 (Luzumova scheitert) – 7/6 (Loerper scheitert)
Zeitstrafen: Scheffknecht, Lang (2), Huber – Behnke (2), Kobylinska
Schiedsrichter: Nils Blümel, Jörg Loppaschewski (Berlin)
Zuschauer: 1025

Wolfgang Seitz
Sportredakteur der SWP