Select Page
Die TuS Metzingen wird im Viererfeld als Außenseiter gehandelt – und genau jene haben in den vergangenen beiden Jahren den Pokal geholt.
 
Ferenc Rott war am Donnerstag die Ruhe selbst. „Ich konzentriere mich auf meine Aufgaben, bereite die kommende Saison vor. Die Aufregung über das Final Four hält sich noch in Grenzen.“, sagte der Manager der TuS Metzingen – und konnte sich die Ruhe vor dem Sturm auch erklären. „In den vergangenen beiden Jahren haben wir uns viel ausgerechnet, jetzt sind wir auf dem Papier fast chancenlos“, so Rott. Nun wird zum einen nicht auf Papier gespielt, sondern auf feinem Hallenboden, dann hat die jüngste Vergangenheit gelehrt, dass zumindest im Frauenhandball der vielzitierte Satz gilt: „Der Pokal hat eigene Gesetze.“ 2017 hat fast niemand mit dem Buxtehuder SV gerechnet, 2018 gar niemand mit dem VfL Oldenburg. Beide haben sich den Pott geschnappt.
Top-Leistung flächendeckend
„Vielleicht  ist genau das unsere Chance“, sagt der Manager der TusSies im Hinblick aufs Wochenende. Wobei es dieses Mal ein bisschen anders ist. Die ersten Drei der Tabelle stehen in der Endrunde, darunter zwei, die eine phantastische Saison gespielt haben, wie sie besser fast nicht mehr geht. 50:2 Punkte werden nach Ablauf der 26 Spiele für den Thüringer HC notiert, der am Samstag (15 Uhr) Halbfinalgegner der TuS Metzingen ist. Unfassbar, dass man damit nicht Meister wird. Das ist nämlich die SG BBM Bietigheim, die bei gleicher Punktzahl das bessere Torverhältnis aufweist. Die Minuspunkte haben sie sich jeweils selbst beigebracht, der TuS Metzingen jeweils vier. Der SV Union Halle-Neustadt vervollständigt das Pokal-Quartett, ist der klassische Underdog: Ein Erstliga-Absteiger, der seine Final Four-Premiere feiert. „Vom Potenzial her will ich eine Überraschung nicht ausschließen. Dann brauchen wir aber eine Top-Leistung und zwar von hinten bis vorne. Da reicht es nicht, wenn sie nur von zwei oder drei Spielerinnen erreicht wird.“ Ferenc Rott hat also zumindest einen Plan, wie es klappen könnte.
Es kribbelt
Den hat natürlich auch Trainer André Fuhr. „Wir fiebern dem Final Four entgegen. Die Spannung baut sich immer mehr auf. Das ist ganz normal. Über Wochen und Monate hatten wir das Großereignis vor Augen, zumal ja schon lange der dritte Platz im Abschluss-Klassement feststand“, sagt Fuhr, der zumindest zu Beginn der Woche auch noch als Psychologe gefragt war, mussten die Mädels doch die beiden Nackenschläge der jüngsten Vergangenheit verkraften (21:25-Niederlage in Blomberg, 26:36 gegen den THC).
Aus dem Trainingsbetrieb gibt es Positives zu berichten. „Den Spielerinnen geht es gut“, vermeldet ihr Coach. Zumindest jenen, die zuletzt im Aufgebot standen. Nicht spielen beim Final Four werden Marija Obradovic, Delaila Amega (beide Kreuzband) und Maren Weigel (Muskelverletzung an der Wade). Ein kompletter Rückraum, bestehend aus Nationalspielerinnen. Das muss aber nicht noch einmal thematisiert werden. Jene, die auf dem Platz stehen, müssen es in der Porsche-Arena richten. „Wir haben uns intensiv mit dem Gegner beschäftigt – und mit uns selbst. Große Neuigkeiten gibt es nun nicht mehr. Wir haben uns eine Qualität erarbeitet – und die gilt es auf die Platte zu bringen“, macht der TuS-Coach klar.
Zwei Favoriten
Zurück zur Ausgangslage. „Andere Teams haben eher etwas zu verlieren. Der THC will mit dem Pokalsieg eine tolle Saison retten, Bietigheim unbedingt das Double. Mit uns rechnet niemand so richtig.“ Diese Rechnung macht der TuS-Manager auf. Sein Trainer hat schon weiterführendere Pläne. „Egal, gegen wen wir am Sonntag ran müssen. Der Gegner ist bekannt, weil wir in dieser Saison schon zwei Mal gegen ihn gespielt haben. Sonntagmorgen geht es in die Details“, umreißt André Fuhr das Wochenende.
Alle vier Teams sind in einem Hotel untergebracht, die TuS Metzingen wird ihre Zimmer allerdings erst am Samstag beziehen. Die Nacht vor dem Halbfinale verbringt man noch in den eigenen Betten. Die Anreise am Spieltag in die Landeshauptstadt hält sich dann ja auch in überschaubarem Rahmen.
 
 
Wolfgang Seitz
Sportredakteur der SWP