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Der Erstligist TuS Metzingen gastiert am Samstag (17.30 Uhr) in Südhessen bei der HSG Bensheim-Auerbach.

Manche haben sie sich vielleicht eingerahmt, die Tabelle der Handball-Bundesliga der Frauen. Dort wurde die TuS Metzingen am Donnerstag nach dem fulminanten 46:19-Sieg im Weihnachtsspiel gegen Nellingen als Primus gelistet. Das war zwar nur der Tatsache geschuldet, dass die noch verlustpunktfreien Teams aus Thüringen und Bietigheim erst einen Tag später ran mussten – aber trotzdem schön.
Sicher kann man es auch als temporäre Belohnung für die famose Leistung sehen, die gegen den Nachbarn von den Fildern ausgepackt wurde. „Wir haben es nach dem Training am Donnerstagmorgen kurz erwähnt und ebenso kurz gefreut. Man muss sich aber auch nicht schämen, wenn man für 20 Stunden Tabellenführer ist“, sagte TuS-Trainer André Fuhr. Nur ein paar Stunden nach dem Derby-Triumph bat er seine Mädels bereits wieder zum Training. Kraft und Laufen standen auf der Agenda. „Wir haben das kalte Wetter genossen“, so Fuhr, der die Aussage dann aber ein bisschen relativieren musste: „Zumindest ich.“ Das Spiel hat er auch genossen, ganz besonders die Tatsache, dass er wechseln konnte wie er wollte. Alles hat gepasst, und das zeichnete sich ab,

Maximale Konzentration

Die Trainingsarbeit zuvor wurde mit maximaler Konzentration und Begeisterung angegangen. „Da hatte nicht einmal ich mehr etwas zu beanstanden. Und das soll etwas heißen“, lobte der TuS-Coach. Seine Schützlinge haben dann prompt auch alles auf die Platte gebracht, wobei die Nellinger Gegenwehr über 60 Minuten bescheiden war.
Das blieb auch den TuS-Spielerinnen nicht verborgen, die sich nun am Samstag zur HSG Bensheim-Auerbach begeben. Die dortigen „Flames“ wollen noch nicht so richtig zünden, haben erst 4:12 Punkte zu Buche stehen. „Der Kader ist nicht schlecht besetzt“, sagt André Fuhr, der das bisherige Abschneiden der HSG deshalb nur bedingt nachvollziehen kann. So weiß er, dass Carolin Schmele im linken und Julia Midhof im rechten Rückraum einiges bewegen können. Das Spiel an den Kreis, wo Merel Freriks und Caroline Thomas die Anspiele zu verwerten wissen, klappt recht gut. Bogna Sobiech auf Linksaußen kann ein weiterer Faktor im Bensheimer Spiel werden. Kurzum: „Der Gegner wird sich mehr wehren“, weiß Fuhr, der deshalb auch noch die unumstößliche Tatsache ins Feld führt, dass jedes Spiel bei 0:0 beginnt.
Mit vollem Kader geht die Reise am Samstag nach Südhessen an die Bergstraße. Am Mittwoch gaben Dorina Korsos und Madita Kohorst ihre Debüts nach den Kreuzbandverletzungen. „Dorina ist schon einen Schritt weiter. Wille und Ehrgeiz sind enorm, zudem ist sie sehr vielseitig, keineswegs nur auf Linksaußen einsetzbar. Beide werden uns auf Sicht weiterbringen, da bin ich mir ganz sicher“, sagt der TuS-Coach.
Das ist mit ein Grund dafür, dass nach der Obradovic-Verletzung nicht nachverpflichtet wurde.  „Der Kader ist zwar nicht über die Maßen üppig, ich bin aber mit dem zufrieden, was ich habe.“ Und jener Kader bekommt vom engagierten Trainer den Feinschliff. „Wir müssen beide Punkte mitnehmen, wenn wir weiter vorne mitmischen wollen. Wenn man einmal patzt, wird es schwer.“ André Fuhr lässt es an mahnenden Worten nicht fehlen und scheut sich auch nicht, das Team an ein ganz dunkles Kapitel in der pinken Geschichte zu erinnern. In der vergangenen Saison, ungefähr zur selben Zeit, kassierte die TuS Metzingen in Bensheim eine üble 23:24-Niederlage, bei der in den letzten vier Minuten eine Vier-Tore-Führung vergeigt wurde. Für die Flames war es der bis dato erste Sieg. Es gibt also wirklich gar keinen Grund, den samstäglichen Gastgeber zu unterschätzen.

Wolfgang Seitz
Sportredakteur der SWP