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Die TuS Metzingen gastiert in der zweiten Runde des EHF-Pokals am Sonntag (14 Uhr) beim russischen Vizemeister Astrakhanochka.

Jesse van den Polder war bei der Pressekonferenz am Montag schon ein bisschen aufgeregt. „Ich freue mich darauf. Ich war noch nie so weit weg“, sagte die Torhüterin. 3800 Kilometer gilt es auf dem Weg nach Astrachan zu bewältigen – zurück muss man dann natürlich auch wieder. Die junge Dame will sich da mit Musik ablenken, neben dem Toreverhindern ihre zweite Leidenschaft. Sie könnte mit der Gitarre sogar etwas fürs Unterhaltungsprogramm tun. Trainer André Fuhr sieht den Ausflug durchaus als Teambuilding-Maßnahme, freilich aber auch als große sportliche Herausforderung. „Astrachan ist eine andere Hausnummer als Halle-Neustadt“, hat er bei Videostudien festgestellt. Den Russinnen würde er durchaus zutrauen, in der deutschen Bundesliga an der Spitze mitmischen zu können.

Eigenwillig ist das Astrachaner System. „Die sind sehr strukturiert, spielen ihre Angriffe auf den Punkt und sind aus allen Positionen torgefährlich“, so Fuhr. Zudem sind sie topbesetzt. „Wer Nationalspielerinnen hat, hat auch Qualität“, weiß der TuS-Trainer – muss sich diesbezüglich mit seinen Pink Ladies aber ja nicht verstecken.  Von Astrachaner Seite waren zuletzt Torhüterin Kira Trusova, Linksaußen Dariia Samokhina, sowie die Rückraum-Spielerinnen Elizaveta Malashenko und Irina Snopova für Russland international in den Testspielen gegen Deutschland im Einsatz. Am auffälligsten war die treffsichere Samokhina. Milana Tazhenova ist auf der Spielmacherposition eine Option für die Zukunft. Anna Kochetova wirkt eher behäbig, lässt aber Schlagwürfe los, die ihresgleichen suchen.

Bekannt in der Region ist Liudmila Postnova, die zu ihrer Zeit in Lada beim Frauenhandballturnier in Bad Urach ihr überragendes Können unter Beweis stellte. Sie zählt nun zu den erfahrenen Kräften bei Astrachan, wo eine gesunde Mischung aus Routiniers und jungen Spielerinnen am Ball ist. „Die sind unberechenbar, alles ist eng getacktet, sie haben eine hohe Qualität im Positionsangriff“, bekundet André Fuhr Respekt. Natürlich weiß er auch, wie es seinen Mädels trotzdem gelingen kann, eine gute Basis für das Rückspiel nächste Woche (Samstag, 20 Uhr, Öschhalle) zu schaffen. „Wir müssen denen unseren Spielstil aufzwingen. Astrachan kann sicherlich keine 60 Minuten Tempo gehen.“ Die TusSies können das schon.

Das Mittwochspiel gegen Halle-Neustadt wurde gut verkraftet, die ganze Belegschaft hat sich am Morgen danach bereits wieder zum Training getroffen. Mit dabei Marija Obradovic, die nur dosiert eingesetzt wurde, weil eine Steißbeinprellung ihr zu schaffen macht. Sie wirkte gehemmt, hat aber signalisiert, dass mit ihr zu rechnen ist. Und der Rest hat sich gut geschlagen. Delaila Amega gab als Regisseurin Gas, kurbelte auch zusammen mit Patricia Kovacs das Spiel an. Sie werden nun auch in Astrachan das Tempo vorgeben. Es muss, wie schon gesagt, ein permanent hohes sein.

Ein Livestream wird wohl am Sonntag von Seiten der Russen angeboten. Die TUSSIES werden auf Ihren Sozialen Kanälen darauf hinweisen.

Wolfgang Seitz
Sportredakteur der SWP