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Nicht immer souverän – trotzdem klar

Frauenhandball Erstligist TuS Metzingen siegt beim Schlusslicht HC Rödertal mit 36:25 (15:13). Miriam Welser feiert gelungenes Debüt in der ersten Mannschaft.

 Wenn der Tabellendritte beim noch punktlosen Letzten gastiert, erübrigt sich die Frage nach dem Favoriten. Interessant ist dann nur, wie jener seine Rolle interpretiert. Da muss man beim Auftritt der TuS Metzingen am Samstag Abstriche machen. Über weite Strecken hat es beim 36:25-Sieg in Sachsen aber gepasst.

Alles gut war zum Beispiel nach 13 Minuten. Da führte die TuS mit 10:3, hatte in fünf Minuten einen 6:0-Lauf rausgehauen, genau das gemacht, was man sich vorgenommen hatte. Nach Ballgewinnen wurde schnell umgeschaltet und vorne mit Tempo abgeschlossen. Die Außen Ina Großmann und Marlene Zapf machten sich bemerkbar, Julia Behnke war im wahrsten Sinne des Wortes gut in Schuss und Shenia Minevskaja hatte angefangen, ihre Treffsicherheit aus sieben Metern zu unterstreichen.

Alles gut eigentlich, ehe plötzlich pinker Sand ins Getriebe rieselte. Pech im Abschluss paarte sich mit nachlassender Präzision und dann stellte man sich in Unterzahl nicht gerade klug an. Rödertal kam zu leichten Toren, bei denen oft einfache Sachen wie Wackler reichten, um den tief stehenden Metzinger  6:0-Riegel zu knacken, der zu Beginn noch unüberwindbar schien, auch einiges wegblockte. Das Überzahlspiel hat man auch schon besser gesehen – ganz besonders mit zwei mehr auf dem Platz. So kam es, dass man nach drei Fehlwürfen von Maren Weigel und Delaila Amega kurz vor dem Pausenpfiff beim Stand von 13:15 die Kabine aufsuchte. Zu notieren gab es ein Rödertaler 10:5 in 17 Minuten.

Das war Gegenstand der Besprechung. Halbzeit zwei passte dann wesentlich besser, abgesehen davon, dass hinten weiter etliches durchrutschte. Rödertal hatte zwei Kreisläuferinnen ins Rennen geschickt, die kurzzeitig Betrieb machen konnten – wenn sie etwas in die Hände bekamen. Sobald aber der sächsische Aufbau stockte, waren die TusSies mit schnellen Antworten zur Stelle. Shenia Minevskaja verwandelte weiter mit schöner Regelmäßigkeit ihre Strafwürfe, Julia Behnke war fast immer erfolgreich, wenn sie vor dem Tor auftauche.

Monika Kobylinska feierte in der zweiten Spielhälfte nach ihrer Knöchelverletzung ihr Comeback, Miriam Welser aus der zweiten Mannschaft fügte sich nahtlos ein, während Marija Obradovic nach einem Pferdekuss aus der ersten Hälfte nur noch zuschauen konnte. Sie sah, wie es über 19:26 (45., Minevskaja) nach 41 Minuten 19:29 (Torschützin Zapf) stand. Der Rest bis zum 25:36 war dann recht locker. Annika Ingenpaß und Stina Karlsson zeigten ihr Können, hinten konnte man sich auf Jasmina Jankovic verlassen, die etliches schnappte.

Stimmen zum Spiel

Trainer René Hamann-Boeriths war mit Einschränkungen zufrieden. „Wir waren in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit plötzlich nicht mehr aggressiv in der Deckung, standen viel zu defensiv. Wir müssen agieren, nicht reagieren. Das haben die Mädels nach dem Seitenwechsel dann wieder viel besser gemacht“, so der Trainer. Maren Weigel analysierte wie folgt: „Der Start war gut, dann haben sich Konzentrationsschwächen und Fehler eingeschlichen. Insgesamt konnten wir in der zweiten Halbzeit dann aber wieder an die gute Phase der ersten Halbzeit anknüpfen. Besonders schön war auch, dass Miriam Welser bei ihrem Debüt auch direkt ein Tor machen konnte.“
Ina Großmann brachte es auf den Punkt: „Im Großen und Ganzen haben wir unsere Leistung abrufen können und mit guten zweiten 30 Minuten das Spiel souverän und verdient gewonnen.“

HC Rödertal gegen TuS Metzingen 25:36

HC Rödertal: Kurzke, Rammer – Nagy (4/4), Alesiunaite, Bösch (2), Ivanauskaite (5), Selmeci (2), Nepolsky, Urbicht, Jander (3), Kreibich (1), Szczecina (2), Rode (1), J. Hummel (3), S. Hummel (2)
TuS Metzingen:  Jankovic, Roch – Zapf (4), Amega (4), Kobylinska (1), Minevskaja (6/5), Karlsson (2), Ingenpaß (2), Großmann (4), Weigel (3), Obradovic (2), Beddies, Behnke (7), Welser (1)
Siebenmeter: 5/4 (Nagy scheitert) – 5/5
Zeitstrafen: Alesiunaite, Ivanauskaite, Kreibich, Szczecina, Rode – Zapf, Kobylinska, Beddies, Karlsson
Schiedsrichter: Daniela Kuschel, Sandra Senk
Zuschauer: 425

Wolfgang Seitz
Sportredakteur der SWP